Studierende des Studiengangs Gesellschaftswissenschaften haben sich in den vergangenen Wochen mit Anliegen an das Seniorat Politikwissenschaften gewandt. Anlass sind Wahrnehmungen und Erfahrungen im Zusammenhang mit einer Lehrveranstaltung von Frau Andersen, die aus Sicht mehrerer Studierender Fragen im Hinblick auf wissenschaftliche Standards, Lehrneutralität, den Schutzraum universitärer Lehre sowie das Gleichbehandlungsgebot aufwerfen.
Dabei wurde aus Sicht betroffener Studierender insbesondere Klärungsbedarf zu folgenden Punkten benannt:
- Abgrenzung zwischen individueller Außendarstellung und institutioneller Rolle:
Studierende berichten, dass öffentliche Äußerungen und Darstellungen außerhalb universitärer Kontexte von ihnen nicht immer klar von der institutionellen Rolle getrennt wahrgenommen werden konnten. - Umgang mit studentischen Beiträgen außerhalb des Seminarrahmens:
Studierende schildern, dass Seminarinhalte bzw. studentische Beiträge außerhalb des Seminars in einem öffentlich zugänglichen Kontext aufgegriffen worden seien. Betroffene hatten dabei den Eindruck, dass hierfür nicht eine ausdrückliche vorherige Zustimmung eingeholt worden sei. - Öffentliche Bezugnahme auf Seminarinhalte:
Studierende berichten, dass konkrete Diskussionsverläufe außerhalb des Seminars in einem öffentlichen Kontext thematisiert worden seien. Dadurch sahen einige den geschützten Charakter des Seminars als Raum freier und ergebnisoffener Diskussion beeinträchtigt. - Wahrgenommene pauschalisierende oder abwertende Zuschreibungen gegenüber Studierenden(gruppen):
Einzelne Betroffene schildern, dass Äußerungen und Darstellungen als pauschalisierend oder diskreditierend wahrgenommen wurden, insbesondere in Bezug auf Studierende, die als LGBTQ+ wahrgenommen werden. - Wahrnehmung einer unausgewogenen Quellen- und Argumentationsbewertung:
Studierende äußern, dass die Bewertung und Legitimation von Quellen im Seminarverlauf von ihnen als unausgewogen wahrgenommen wurde und sie den Eindruck hatten, dass normative Perspektiven gegenüber wissenschaftlich etablierten Ansätzen stärker gewichtet wurden. - Kommunikationsstil im Seminar:
Studierende berichten von Situationen, in denen der Kommunikationsstil als persönlich adressierend oder abwertend empfunden wurde, wodurch aus ihrer Sicht ein sachliches und respektvolles Arbeitsklima erschwert wurde. - Wahrgenommener Einfluss auf die inhaltliche Ausrichtung studentischer Arbeiten:
Studierende schildern, dass Rückmeldungen teilweise als inhaltlich lenkend wahrgenommen wurden und sie sich dadurch in der Offenheit und Eigenständigkeit ihrer Arbeit eingeschränkt fühlten. Einzelne Betroffene berichten, dass sie sich daher im Seminar weniger frei äußerten.
Folgewirkungen aus Studierendensicht
In der Gesamtschau berichten betroffene Studierende von einem Vertrauensverlust — insbesondere im Hinblick auf die erwartbare Neutralität bei Leistungsbewertungen sowie auf die Gewährleistung pluraler und ergebnisoffener Lehre.
Daher bitten wir das Institut für Politische Wissenschaft um eine öffentliche Stellungnahme zu folgenden Fragen:
- Wie ordnet das Institut die geschilderten Anliegen grundsätzlich ein?
- In welchem Verhältnis stehen diese Anliegen zum Selbstverständnis, zu den Lehrgrundsätzen und zu den wissenschaftlichen Standards des Instituts?
- Welche Standards und Verfahren gelten, um in solchen Fällen Neutralität, Inklusion und faire Bewertung sicherzustellen?
- Welche Schritte sind vorgesehen, um eine objektive Leistungsbewertung für Studierende zu gewährleisten?
Uns ist bewusst, dass Personalangelegenheiten vertraulich zu behandeln sind. Ziel dieser Anfrage ist ausdrücklich keine öffentliche Bewertung oder Vorverurteilung einzelner Personen, sondern eine transparente Einordnung der Standards und Verfahren sowie eine konstruktive Klärung der geschilderten Anliegen. Wir geben die Anliegen betroffener Studierender zusammenfassend wieder — eine abschließende Feststellung oder Bewertung eines Fehlverhaltens ist damit nicht verbunden.
Diese Anfrage erfolgt vor dem Hintergrund bereits geführter persönlicher Gespräche und zielt darauf ab, die geschilderten Anliegen konstruktiv und gemeinsam zu klären. Sie dient der Sicherung einer fairen, neutralen und inklusiven Lehre und ist ausdrücklich nicht als Kritik am Institut für Politische Wissenschaft zu verstehen, sondern als konstruktiver Beitrag zu einer verantwortungsvollen politikwissenschaftlichen Ausbildung.
Wir äußern uns öffentlich nicht zu personenbezogenen Details über den hier genannten Kontext hinaus.
Das Kollektiv der Fachschaft Philosophie
und das Seniorat Politikwissenschaft

